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Heißt Ihr Hund auch „Nein“?

Kennen Sie den?
„Treffen sich zwei Hunde. Sagt der eine zum anderen: 'Und? Wie heißt Du?'
Sagt der andere: 'Fiffi, nein!!!'“

Das ist ein uralter Hundetrainer-Witz, der nicht nur einen Funken, sondern gleich einen ganzen Flächenbrand an Wahrheit besitzt.

Typische Szene am Samstagvormittag in der Hundeschule:
Die Hunde werden aus dem Auto gelassen, das heißt, sie springen schon mal einfach so aus dem Kofferraum, wenn Frauchen nicht aufpasst. „Fiffi, nein!!“ (heißt: „Spring nicht einfach aus dem Auto“).
Ein paar Sekunden später sieht Fiffi auf dem Hundeplatz seine Kameraden und zieht mit aller Macht in Richtung Eingang. „Fiffi, nein!!“ (heißt: „Zieh nicht an der Leine“).
Während der Begrüßung versucht Fiffi, an mir hochzuspringen. „Fiffi, nein!!“ (heißt: „Spring nicht am Trainer hoch“).
Fünf Minuten später schnüffelt Fiffi am Boden und hat dort ein Guttie gefunden, dass ein anderer Hund liegen gelassen hat. „Fiffi, nein!!“ (heißt: „Lass das Guttie dort liegen“).

 

Fällt Ihnen was auf? Der Informationsgehalt für den Hund in diesem Nein-Hagel ist...ja genau... gleich Null! Er hat im besten Fall eine ungefähre Ahnung davon, dass jetzt gerade etwas nicht in Ordnung ist und dass Frauchen irgendwie sauer ist. Im schlechtesten Fall interessiert ihn das „Nein!“ schon gar nicht mehr und er stellt die Ohren auf Durchzug.

Ein „Nein“ gibt dem Hund keinerlei brauchbare Informationen darüber, welches Verhalten Frauchen denn nun eigentlich möchte. Woher soll der Hund wissen, dass „Nein, Fiffi!!“ jetzt gerade heißt „Zieh nicht an der Leine“ und nicht „Schau nicht in die Luft“ oder „Wedel nicht mit dem Schwanz“?

Daher ist eins der ersten Dinge, die den Hundehaltern in guten Hundeschulen beigebracht werden:
„Sagen Sie Ihrem Hund, was er tun und nicht nur, was er lassen soll!“

Ansonsten ist Ihr Training ineffizient und nervig für beide Seiten.

Das glauben Sie nicht? Machen Sie mal ein kleines Experiment. Bitten Sie Ihren Partner/Ihr Kind/Ihre Schwiegermutter, mal kurz draußen vor der Küchentür zu warten. Sie überlegen sich, was Ihre Versuchsperson in dieser Küche tun soll. Nehmen Sie etwas, was gaaaanz einfach ist, wie z.B., sich auf einen der Stühle zu setzen.

Und dann bitten Sie die Person, wieder herein zu kommen. Sobald sie hereinkommt, bitten Sie sie, irgendetwas zu tun. Und immer, wenn sie sich nicht auf einen Stuhl setzt, wird sie mit „Nein!“ korrigiert. Ihre Schwiegermutter schaut zum Kühlschrank? „Nein!!“ (Lassen Sie mich raten, wie die schauen wird...). Ihre Schwiegermutter geht zur Kaffeemaschine? „Nein!!“ Jetzt dreht sie sich um und will lieber die Küche wieder verlassen? „Nein!!“ Ich vermute, mehr als drei Nein´s werden Sie nicht brauchen bis Ihre Schwiegermutter keine Geduld mehr hat und Ihnen den Vogel zeigt. Und ich vermute, sie sitzt dann immer noch nicht auf einem der Stühle...

Wäre es nicht viel einfacher gewesen, Ihre Schwiegermutter zu bitten, sich einfach auf einen der Stühle zu setzen? Und wenn Sie ihr dann auch noch eine Tasse Kaffee zubereiten, bleibt sie auch sicher gerne sitzen (ob Sie das wollen, ist eine andere Frage...).

Und genau so wie Ihrer Schwiegermutter ergeht es Ihren Hunden!

Statt sie mit einem Nein-Hagel zuzuballern, macht es wesentlich mehr Sinn, Ihnen zu sagen, was sie eigentlich tun sollen.

Um mal auf die Hundeplatz-Szene zurück zu kommen:
Wenn Fiffi unkontrolliert aus dem Auto springen möchte, hilft ein „Bleib“, für das es nach korrekter Ausführung ein tolles Leckerli gibt, wesentlich mehr als ein „Nein!“
Ja, das muss man üben.

Wenn Fiffi zu seinen Kameraden stürmen möchte, hilft ein „Warte“ oder ein „Sitz“, für das er dann nach korrekter Ausführung zu seinen Kameraden stürmen darf, wesentlich mehr als ein „Nein!!“
Ja, das muss man üben.

Wenn Fiffi am Trainer hochspringen möchte, hilft ein „Sitz“, für das er nach korrekter Ausführung den Trainer begrüßen darf, wesentlich mehr als ein „Nein!“
Ja, auch das muss man üben.

Ihr Hund schnüffelt am Boden, weil er etwas Leckeres in der Nase hat? Hier hilft ein „Komm“ oder „Schau mich an“ mit einer tollen Futterbelohnung ebenfalls mehr als ein „Nein!“. Das gilt hier ganz besonders, denn wenn der Hund einmal gelernt hat, dass er nach einem „Nein!“ nicht an das Futter am Boden herankommt, wird er immer schneller und geschickter darin, das Futter doch noch zu erwischen...
Ja, verflixt, auch das muss man üben.

Nochmal: Einer der wichtigsten Merksätze in der Hundeerziehung lautet
„Sagen Sie Ihrem Hund, was er tun und nicht nur, was er lassen soll!“

Immer, wenn Ihnen etwas stinkt, was Ihr Hund tut, sollten Sie sich fragen: Was möchte ich denn, was er stattdessen tut? Und dann üben Sie genau das!
Und wenn Sie ihn dann noch für erwünschtes Verhalten passend belohnen, sind Sie wesentlich schneller am Ziel als mit jedem noch so harsch gesprochenen „Nein!!“.

Und es macht auch noch viel mehr Spaß. Dem Hund u n d seinem Menschen!

Liebe Grüße,
Sonja Meiburg
Hundeschule Holledau
(erschienen in der Zeitschrift „Tierschutz-Augenblicke“)