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Wortklauberei? Befehl, Kommando oder besser Signal?

Worte manipulieren und erzeugen in unseren Köpfen Bilder, die unsere Denkweisen beeinflussen.
Was bedeutet nun Befehl oder Kommando? Nun, wir erhalten eine ganz schnelle Antwort, wenn wir die Google Bildersuche verwenden. Bei Befehl fällt sofort ins Auge, dass es in erster Linie um unbedingten Gehorsam, die Kaiserzeit oder um die Zeit des zweiten Weltkrieges geht. Bei Kommando sieht man nur noch Bilder von Soldaten und Waffen, es hat also was mit Militär zu tun.

Welche Denkweise erzeugen nun diese Bilder in unseren Köpfen?
Na, als erstes doch wohl, vielleicht neben einem leichten Unbehagen bei dem Einen oder Anderen, das Gefühl hier ist unbedingter Gehorsam angesagt! Darüber hinaus auch Hierarchie oder Kommandostruktur. Also von „oben“ nach „unten“ und der Letzte in der Reihe ist die arme Sau, die nicht mehr denken darf.

Wird dem Befehl oder Kommando nicht sofort bedingungslos Folge geleistet, erfolgen zwangsläufig Disziplinarmaßnahmen – auf Deutsch: Strafe.
Die Harmloseste beim Militär war für mich das Latrinen putzen. In früheren oder Kriegszeiten bedeutete die Befehlsverweigerung auch nicht selten den Tod. Im Berufsleben ist es die Abmahnung oder Entlassung.

Was bedeutet das jetzt für die Erziehung des Hundes?
Gebe ich den Hunden ein Kommando und sie führen es nicht aus, muss ich sie also bestrafen. Leider gibt es ja nun viele Hundetrainer, die genau dies propagieren: „Zeigen Sie dem Hund, dass Sie der Rudelführer (Kaiser, General, Chef) sind und wenn er nicht pariert, fügen Sie eine Strafe hinzu.“
Bedeutet dann ab- oder bedrängen, stupsen, schlagen oder – wie wir wissen – in Einzelfällen sogar würgen, aufhängen oder mit Elektroschocks traktieren.

Folgt der Hund dem Kommando jetzt besser?
Ja, zunächst schon, weil er Angst hat.

Bleibt das so?
Ja, wenn ich den Hund gebrochen habe und er resigniert, dann hat er gelernt hilflos zu sein.

Bei allen Hunden?
Nein, denn viele fangen an sich zu wehren und dann können sie zum Beißer werden. Der Auslöser ist hier aber immer die Angst. Der Hund wurde darauf konditioniert: wenn ich sofort aggressiv reagiere, schreckt das Gegenüber (Mensch oder Hund) zurück und vergrößert zunächst mal die Distanz. Nur sieht dann kein Mensch mehr den Auslöser Angst....

Spätestens hier sollten alle gemerkt haben, dass ich kein Freund von Befehlen oder Kommandos bin. Ich gebe meinen Hunden Signale.

Möchte ich auch, dass meine Hunde die Signale ausführen?
Ja natürlich möchte ich das.

Bestrafe ich sie wenn sie das Signal nicht ausführen?
Ja, manchmal, das kommt auf die Situation an. Aber die schlimmste Strafe, die meine Hunde kennen, ist es, dass ich sie einfach festhalte und/oder sie keine Belohnung bekommen.

Und warum bestrafe ich sie nur manchmal?
Ich überlege mir zunächst mal, warum das Signal NICHT befolgt wurde!
Ich habe gelernt, dass ich entweder nicht ausreichend oder falsch trainiert habe und vor allem, dass es Situationen gibt, in denen der Hund das Signal, das ich ihm gegeben habe, einfach nicht ausführen KANN!
Machen wir das doch mal an dem beliebtesten Signal fest, das in jeder Hundeschule zuerst beigebracht wird, zum „Grundgehorsam“ gehört und von vielen Hundehaltern dazu missbraucht wird, um zu zeigen, wie gut sie ihre „gefährliche Bestie“ im Griff haben:

Das Signal „Sitz“
Ich bin jetzt mal ein bisschen ketzerisch und behaupte, dass dies das überflüssigste Signal überhaupt ist. (Bevor jetzt jemand über mich herfällt, auch meinen Hunden habe ich das „Sitz“ beigebracht).
Aber überlegen Sie mal: Würden Sie sich mit nacktem Hintern irgendwo in den Dreck setzen oder gar ins Nasse, auf Schnee oder Eis?
Wenn der Hund an der Straße stehen bleiben soll, wäre dann ein Signal „Steh“ nicht angebrachter?

„Ja, aber der Hund entspannt sich, wenn er sitzt.“
Tut er das wirklich? Der ein oder andere vielleicht schon, aber beobachten Sie ihn genau: Ist sein Körpergewicht in der Mitte oder ist der Hund nach vorne oder nach hinten gerichtet, sind die Ohren entspannt oder nach vorne oder hinten gerichtet? Ist die Rute steif und gerade oder sitzt er auf der Rute? Züngelt er mit kurzen, schnellen und geraden Bewegungen der Zunge oder hechelt er mit breiter, gut sichtbarer Zunge?
Will der Hund hinter einem gesichteten Reh her, entspannt er sich auch nicht im „Sitz“!
Ist der Hund auf einem hohen Stressniveau, gibt es eine Menge besserer Alternativen als ausgerechnet „Sitz“, um ihm beim Entspannen zu helfen.
Ist der Hund alt oder eventuell nicht ganz gesund? Dann verursacht ihm das „Sitz“ vielleicht Schmerzen und er mag sich deshalb nicht setzen.
Entspannte Hunde bieten das „Sitz“ häufig von sich aus an, ohne dass sie dazu aufgefordert werden.

Wenn ich also auf die Ausführung dieser Signale bestehen würde, müsste ich meinen Hund bestrafen und dies für einen Fehler, den ich begangen habe!

Training heißt für mich, es dem Hund so angenehm wie möglich zu machen, mit mir zusammenzuleben. Damit mache ich auch mir das Leben mit dem Hund angenehm. Je entspannter der Hund, desto entspannter bin ich, wir vertrauen uns gegenseitig.

Dies erreiche ich aber nicht mit Befehl und bedingungslosem Gehorsam, sondern mit Motivation und dem Spaß, den der Hund an seinem Tun hat. Und manchmal habe ich sogar den Eindruck, wenn ich so ein unsinniges Signal gegeben habe, schauen sie mich an und dann sehe ich die Frage: „Was soll der Blödsinn?“

Vielen Dank an Dr. Ute Blaschke Berthold http://www.cumcane.de/ für ihr Seminar „Die Körpersprache des Hundes“ und ganz besonderen Dank an Gerd Schreiber http://www.hund-und-wir.de/, der meine Denk- und Betrachtungsweise zu Kommandos und Signalen geändert hat und mich dazu gebracht hat, meine Wirkung auf meine Hunde damit besser selbst zu reflektieren.


 

Meine Drei

Jürgen Kronz
Mehrhundehalter