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Über Sinn und Unsinn von Futter als Belohnung

Oft fragen mich Kunden, ob sie Futter als Belohnung einsetzen müssen. Es gibt vielerlei Kritik und Gerüchte im Hinblick auf Futterbelohnungen. An dieser Stelle möchte ich über das viel beschimpfte oder zugleich gelobte Futter als Form der Belohnung von Verhalten des Hundes eingehen.

Belohnungen und Verstärker:

Wird ein Verhalten verstärkt, wird der Hund es in Zukunft häufiger, schneller, intensiver oder länger zeigen. Nur das, was der Hund wirklich als Belohnung in einer bestimmten Situation empfindet, ist ein echter Verstärker.

Um heraus zu finden, was für den individuellen Hund Verhalten wirklich verstärkt, empfiehlt es sich, eine Top 10-Liste der beliebtesten Belohnungen des Hundes aufzuschreiben. Damit ist nicht nur Futter gemeint. Was zeigt der Hund häufig und wovon ruft ihn der Hundehalter häufig ab? Das, was dem Menschen nicht gefällt, ist häufig der größte Verstärker für den Hund. Ein Beispiel wäre Buddeln am Mäuseloch, Spielen mit anderen Hunden usw. Wird dies mit einem Signal verknüpft, kann man es gezielt als Belohnung einsetzen.

Je nach Situation und Stimmung wird für den individuellen Hund eine andere Belohnung die passende sein. Es gilt den funktionalen Verstärker zu finden. Das ist der Verstärker, der der Funktion des Verhaltens entspricht oder ähnelt. Ruft man den Hund von etwas Fressbarem ab, ist also Futter die passende Belohnung. Bei einem Hund, der Beute belauert, kann das Belauern von Futter in der Hand eine mögliche Belohnung sein.

Steht bei dem Hund auf der Liste der Belohnungen das Futter ganz oben, wird es häufig eine hochwertige Belohnung für ihn - und dadurch im Training effektiv einsetzbar sein.

Stärken der Futterbelohnung:

Wechselt man die Art der Futtergabe ab, dann kann Futter zu mehreren statt nur einer Form der Belohnung werden. Futter kann man nicht nur aus der Hand geben. Futter kann man ausstreuen und den Hund suchen lassen. Futter kann man werfen. Futter kann der Hund in der Luft fangen. Futter kann man verstecken z.B. in einer Baumrinde, im Laub, in der Wohnung, auf Zweigen. Der Hund kann das Futter in der Hand des Halters belauern.

Bei der Beschäftigung kann Futter in einem Kong angeboten werden. Zudem gibt es ein reiches Angebot an Spielzeug, das mit Futter gefüllt angeboten werden kann, so dass sich der Hund lange damit beschäftigt, bevor er es tatsächlich frisst. Aus Klopapierrollen, Handtüchern und Papier kann das Futter vom Hund auf verschiedene Arten herausgeholt werden.

Zudem kann die Wertigkeit des Futters variiert werden. Futter ist nicht gleich Futter. Es gibt Futtertuben, Käse, Fleisch, Trockenfutter und vieles mehr.

Dabei ist Futter eine Belohnung, die bei vielen Hunden nicht extra aufgebaut werden muss, sondern von sich aus belohnend wirkt (primärer Verstärker).

Futter ist einfach zu transportieren und anzubieten. Menschen müssen sich nicht viel bewegen, um dem Hund das Futter zu geben. Das ist auch bei Menschen mit Bewegungseinschränkung eine große Erleichterung.

Ein großer Vorteil des Futters ist auch, dass der Ort der Belohnung ebenfalls positiv verknüpft wird. Legt man bei einem Hund, für den Futter eine hochwertige Belohnung ist, zum Beispiel die Futterbelohnung auf ein Spielzeug, so wird das Spielzeug mit dem Futter wahrgenommen, somit spannender und in der Summe aufgewertet.

Baut man mit dem Hund Tricks, Kunststücke oder ähnliches auf, ist Futter eine leicht handhabbare Belohnung im Training.

Bindungsverhalten

Unsere Hunde sind Säugetiere. Die erste Bindung ihres Lebens ist die Mutterhündin, die sie säugt. Das haben die Säugetiere der Natur gemeinsam. Selbst wir erwachsenen Menschen kochen füreinander und sagen „Liebe geht durch den Magen“. Füttern ist Bindungsverhalten beim Säugetier. Warum sollten wir dieses Bindungsverhalten dem Hund vorenthalten?

Glucose und Impulskotrolle

Impulskontrolle ist die Fähigkeit der Selbstbeherrschung. Man kann sich die Impulskontrolle wie eine Schale voller Murmeln vorstellen. Immer, wenn der Hund sich beherrschen muss, verschwindet eine Murmel aus der Schale. Irgendwann ist die Schale leer. Sie kennen das von sich. Nach einem anstrengenden Tag voll stressender Ereignisse reicht eine Kleinigkeit, um Sie nervlich „aus der Haut fahren“ zu lassen. Eine Kleinigkeit, die Sie an einem entspannten Morgen nach einem guten Essen nichtmal kurz beschäftigen würde. Also verbrauchen auch wir Menschen unsere Impulskontrolle. Allerdings braucht es bei uns länger als beim Hund.

Wird Impulskontrolle aufgebraucht, sinkt der Spiegel der Glucose im Blut. Es besteht also ein Zusammenhang zwischen Impulskontrolle und Glucose.

Basis für den Glucosespiegel im Blut ist eine ausgewogene Ernährung. Das Futter sollte zu einem Drittel aus hochwertigen Kohlenhydraten bestehen. Beim B.A.R.F.en kann man dies selbst berechnen. Einen Hund hungern zu lassen, damit er leichter trainierbar ist, ist u.a. aufgrund der Impulskontrolle nicht empfehlenswert. Auch Ihre Stimmung verbessert sich nicht, wenn sie Hunger haben... Ist man mit dem Hund unterwegs und die Impulskontrolle neigt sich bemerkbar dem Ende, kann der Hund auf schnellem Weg Glucose bekommen. Man kann dem Hund Bananenchips oder Karottenscheiben geben. Beides erhöht den Blutzuckerspiegel kurzzeitig.

Nicht nur Futter ist Belohnung

Es ist von großer Bedeutung, dass der Hund abwechslungsreich belohnt wird. Niemals sollte der Mensch bei der Belohnung berechenbar (im Sinne von langweilig) für den Hund werden. Wenn der Hund gelernt hat, dass ihn nach einem Rückruf immer nur Futter aus der Hand erwartet, kann es sein, dass er bald nicht mehr kommt. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Kino und es läuft jedes Mal derselbe Film. Würden Sie ihn immer sehen wollen? Hunden geht es da nicht anders. Hat ein jagender Hund eine Beute entdeckt und das spannende Hetzen steht unmittelbar bevor, dann ist Futter aus der Hand sicherlich nicht die richtige Belohnung. Wenn der Hund sich zwischen dem Reh und dem Futter entscheiden kann, wird er das Reh bevorzugen. Auch das können wir nachvollziehen. Haben wir Vorfreude auf einen unterhaltsamen Abend, würden wir diesen für einen Keks sicher nicht absagen.

Bei Angst- und/oder Aggressionsverhalten ist Futter allein nicht die richtige Belohnung. Wird der Hund mit der Futtertube oder Leckerchen zu einem Auslöser hingelockt, so kommt er dem Auslöser, den er vertreiben oder vor dem er fliehen möchte, immer näher. Immer näher, immer näher und wenn er dann zu nah ist, kann sich der Hund vor der plötzlichen Nähe erschrecken und das Aggressionsverhalten intensiviert werden und Angstverhalten in Aggression umschlagen. Der funktionale Verstärker s.o. ist in diesem Fall das Herstellen von Distanz zum Auslöser. Futter kann bei futtermotivierten Hunden u.U. als Hilfsmittel eingesetzt werden, um die Distanzvergrößerung zum Auslöser einzuleiten, z.B. indem man es für den Hund zur Seite wirft. Futter, das dem Hund nach der Distanzvergrößerung angeboten wird, kann zudem durchaus als emotionales I-Tüpfelchen fungieren.

In sehr aufregenden Situationen, sollte mit Futterbelohnung bedacht umgegangen werden, da bei Stress vom Körper Cortisol ausgeschüttet wird. Dieses hemmt die Verdauung. Wird der Hund in solchen Situationen weiter gefüttert, kann es zu Durchfall oder Erbrechen kommen. Es wird zudem diskutiert, ob eine Magendrehung ihre Ursache in Stress findet.

Grenzen hat auch die Größe des Magens. Er ist ca so groß, wie der Kopf des Hundes, also nicht unendlich erweiterbar.

Häufig genannte Sätze von Hundehaltern:

1. „Ich möchte meinen Hund nicht bestechen“

Grenzen wir zunächst Bestechen und Belohnen voneinander ab. Bestechen ist, wenn man als Mensch von seinem Chef 100 Euro bekommt, damit man etwas Bestimmtes tut. Belohnen ist, wenn man die 100 Euro für eine große Leistung vom Chef als Bonus erhält. Erst nach dem von Ihnen erwünschten Verhalten erhält auch der Hund die Belohnung. Beim Hund wäre ein Beispiel für Bestechung, den Hund an einer Ablenkung mit Futter vorbei zu lotsen. Belohnung wäre, wenn der Hund trotz Ablenkung ein von Ihnen erwünschtes Verhalten zeigen kann und dafür anschließend eine Belohnung erhält.

Ein wichtiges Element des Lebens ist die Bedürfnisbefriedigung. Es ist biologisch sinnvoll, nach Bedürfnisbefriedigung Ausschau zu halten. Das ist nicht nur bei Hunden so, sondern auch bei uns Menschen. Auch Hunde sind nicht nur auf der Welt, um uns zu gefallen. Es gilt, sie bedürfnisorientiert zu belohnen und das schließt bei vielen Hunden Futter mit ein. Und selbst bei Hunden, die nicht generell gerne Futter annehmen, kann es erstrebenswert sein, dies zu verbessern.

2.„Ich möchte nicht, dass mein Hund zu dick wird“

Übergewichtig wird der Hund nur, wenn Sie die Belohnung zusätzlich zur täglichen Futtermenge geben. Ziehen Sie die Futterbelohnung einfach von der Tagesmenge ab.

3. „Ich will nicht abhängig vom Futter sein“

Belohnen Sie abwechslungsreich, werden Sie nicht abhängig vom Futter, weil Ihnen jederzeit auch eine Vielzahl weiterer Belohnungen zur Verfügung steht.

4. „Ich will das Futter nicht mit mir herumschleppen“

Zum Tragen des Futters gibt es verschiedene Beutel, Taschen oder Westen, in denen Sie das Futter gut und sauber unterbringen können.

5. „Ich bin doch kein Futterautomat für meinen Hund“

Dahinter steht oft die Sorge, dass der Hund ein Verhalten nur zeigt, um Futter zu erhalten. Verhalten wird durch seine Konsequenzen verstärkt oder gehemmt. Egal, ob Sie es wollen oder nicht, Verhalten wird von außen beeinflusst. Es liegt an Ihnen, ob Sie versuchen, selbst Einfluss auf das Verhalten Ihres Hundes zu nehmen, oder ob Sie das der Umwelt überlassen wollen. Wenn Sie abwechslungsreich belohnen, erhält der Hund zudem nicht immer Futter. Wenn der Hund viel von Ihnen gewünschtes Verhalten zeigt, nur um von Ihnen eine Belohnung zu erhalten, zeigt er eine große Kooperationsbereitschaft mit Ihnen, was eine große Bereicherung ist. Ist das nicht das Ziel eines gelungenen Trainings mit dem Hund?

Mein Fazit:
Futter ist nicht die absolute Belohnung. Erst wenn man vielerlei Belohnungen für den Hund hat, kann man effektiv trainieren. Dem Hund nur Futter hinzuwerfen und ihm ab und zu einen Knochen zu geben, ist keine ausreichende Beschäftigung. Lehnt man Futter als Belohnung kategorisch ab, nimmt man sich selbst und seinem Hund einen wichtigen Baustein eines erfolgreichen Trainings.


 

Nerina Aupperle

 

Nerina Aupperle
Mutter
Hundtrainerin ATN, geprüftes und lizenziertes Mitglied "Family Paws Parent Education"
Dozentin

www.canesance.de