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Warum tut er nicht das, was ich ihm sag? – Teil 2

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In Teil 1 der Reihe „Warum tut er nicht das, was ich ihm sag?“ haben wir uns mit dem Signal, welches einem Verhalten vorausgeht, beschäftigt. Wir haben festgestellt, dass wenn ein Signal nicht sauber trainiert wurde, dies ein guter Grund sein kann, warum Fiffi und Bello nicht das tun, was wir von ihnen wollen. Hier zur Erinnerung die Zusammenfassung:

Einer der entscheidenden Gründe, weswegen dein Hund vielleicht nicht tut was du ihm sagst, kann das gegebene Signal sein. Das Signal kann zu einem falschen Zeitpunkt oder in der falschen Reihenfolge eingeführt worden sein. Ein Hörzeichen kann von deiner Körpersprache überschattet werden und es kann an Relevanz verlieren, wenn es ständig wiederholt wird ohne das eine Konsequenz folgt. Unsauberes Training kann dazu geführt haben, dass das Signal nicht in jedem Kontext vom Hund ausgeführt werden kann oder das er das Signal nicht eindeutig von anderen Signalen unterscheiden kann oder gar das Signal nie mit dem Verhalten verknüpft wurde oder sogar mit einem ganz anderem (nicht gewünschten) Verhalten.  

In dem zweiten Teil wollen wir uns nun damit beschäftigen, was einem Verhalten folgt, nämlich die Konsequenz und warum diese einen sehr, sehr großen Einfluss darauf hat, ob Fiffi ein Verhalten auf Signal hin ausführt oder nicht. Für diesen Artikel beschäftigen wir uns mit zwei der vier möglichen Konsequenzen: der positiven Verstärkung und der positiven Strafe.

Unter der Konsequenz versteht man den Reiz, der unmittelbar einem Verhalten folgt. Dies kann etwas für den Hund angenehmes sein, welches wir hinzufügen; zum Beispiel Futter, ein Spielzeug, Streicheleinheiten, usw.

tutnicht5Diese Art der Konsequenz nennt man „Positive Verstärkung“. Es hat zu Folge, dass die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass das Verhalten beim Auftreten des ihm vorangegangenen Signals in Zukunft häufiger auftritt, da der Hund in der Vergangenheit dafür etwas für ihn sehr angenehmes erhalten hat und das Verhalten sich somit für den Hund gelohnt hat.

Die Konsequenz kann allerdings auch ein hinzugefügter Reiz sein, der für den Hund sehr unangenehm ist. Dann spricht man von „Positiver Strafe“ (Beachte, „positiv“ ist hier nicht emotional zu werten, sondern mathematisch, d.h. positiv steht für „hinzufügen“). Dabei kann es sich zum Beispiel um einen starken Leinenruck handeln oder aber auch um ein laut geschrienes, verbales „Nein“. Es hat zu Folge, dass das Verhalten in Zukunft mit erhöhter Wahrscheinlichkeit weniger oder gar nicht mehr auftritt.

Schauen wir uns die beiden Konsequenzen einmal an einem Beispiel an. Fiffi, Labrador, 6 Monate, lebensfroh und distanzlos 🙂 Besuch wird gerne zur Begrüßung ausgiebig angesprungen und abgeschleckt.

Eine Option wäre nun mit positiver Strafe zu arbeiten. Als Hilfsmittel nehmen wir dafür eine Sprühflasche mit Wasser gefüllt. Sobald Fiffi nun an dem Besuch hochspringt, gibt der Hundehalter einen oder mehrere kräftige Sprühstöße in Richtung Fiffi’s Gesicht. Fiffi schreckt auf und lässt vom Besuch ab. Ziel erreicht. Oder doch nicht?? Wenn wir uns das Szenario einmal genauer anschauen, dann würden wir eventuell feststellen, dass Fiffi nicht nur vom Besuch abgelassen hat, sondern auch nun sehr unsicher wirkt und nicht weiß, was er nun tun soll. Wenn dieses Szenario ein paar mal durchgespielt wurde, kann es auch passieren, dass Fiffi in Zukunft nicht nur einfach den Besuch nicht mehr anspringt, sondern sich auch gar nicht mehr in die Nähe des Besuches traut, da er eine negative Assoziation zwischen dem Besuch und der unangenehmem Sprühflasche hergestellt hat und nun nicht nur Angst vor der Sprühflasche hat, sondern auch vor dem Besuch selbst und eventuell auch vor dem Hundehalter.

Bei unserem Beispiel würde das also bedeuten, dass durch das Arbeiten mit positiver Strafe, Fiffi vielleicht aufhört den Besuch anzuspringen (Verhalten wurde gehemmt), er aber a) eine Angst gegenüber dem Besucher entwickelt hat und b) gar nicht weiß, was er stattdessen tun soll und c) durch die Angst vor erneuter positiver Strafe die Beziehung zum eigenen Herrchen oder Frauchen gefährdet ist. Ziel also erreicht? Beim oberflächlichen Betrachten vielleicht ja, langfristig und bei genauerem Hinschauen, definitiv Nein!

Nun schauen wir uns das Training mit positiver Verstärkung einmal genauer an. Wir erinnern uns, mit Hilfe von positiver Verstärkung können wir ein Verhalten verstärken, d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten in Zukunft erneut auftritt, wird erhöht. Nun wollen wir natürlich in unserem Beispiel nicht das Anspringen verstärken.

Daher fragen wir uns, was der Hund stattdessen tun soll und verstärken ein Alternativverhalten,

tutnicht6z.B. alle vier Pfoten am Boden. D.h. wir planen das Training so, dass das unerwünschte Verhalten gar nicht erst auftreten kann und belohnen den Hund dafür, dass er mit allen vier Pfoten auf dem Boden steht. Durch die Belohnung (etwas für den Hund angenehmes) erreichen wir auch eine positive Assoziation mit dem Besuch und Spaß am Training.

Das würde also bedeuten, dass durch das Arbeiten mit positiver Verstärkung der Hund aufhört den Besuch anzuspringen und a) sich trotzdem noch durch die positive Assoziation über den Besuch freut und b) er weiß, was er stattdessen tun soll: nämlich mit allen vier Pfoten am Boden bleiben, denn dieses Verhalten zahlt sich für ihn aus; und c) er Spaß am Training mit seinem Hundehalter hat, welches sich auch wiederum positiv auf die Beziehung auswirkt.

Was können wir mit diesen Informationen also in Bezug auf unsere Ausgangsfrage „Warum tut er nicht das, was ich ihm sag?“ schon mal festhalten?

a) Dass der Hund Verhalten, welches wir positiv verstärkt haben, öfter zeigt und der Hund (und Halter!) beim Training Spaß haben –> entsprechend wird er ein gelerntes Verhalten auf Signal zuverlässiger ausführen können und auch wollen (!)

b) dass der Hund Verhalten, auf welches eine positive Strafe folgt, weniger bis gar nicht mehr zeigt und der Hund Angst und Unsicherheit erlebt und zudem die Beziehung mit dem Halter in Gefahr ist –> entsprechend wird ein Verhalten gar nicht mehr gezeigt, dies kann aber auch dummerweise ein eigentlich erwünschtes Verhalten sein; wie z.B. Heranlaufen beim Rückruf; welches unbeabsichtigt positiv bestraft wurde.*

Fassen wir also zusammen:

Das Fiffi nicht das tut, was du ihm sagst, kann also auch darin begründet sein, dass Fiffi’s Verhalten entweder falsch oder gar nicht verstärkt wurde; dass das gewünschte Verhalten aus versehen bestraft (d.h. gehemmt) wurde oder aber auch, dass Fiffi sich nicht mehr traut ein Verhalten zu zeigen, da er für andere Verhalten häufig vom Hundehalter mit positiver Strafe gehemmt wurde und somit sich Unsicherheit, Angst und Überforderung breit machen.

In Teil 3 der Reihe fügen wir beide bisher besprochene Gründe (Signale und Konsequenzen) bildlich zusammen und werden einen weiteren Grund, die Motivation, genauer unter die Lupe nehmen.

*Beispiel: Bello läuft beim Spaziergang frei. Plötzlich taucht in der Ferne ein weiterer Hund auf und Bello’s Herrchen möchte seinen Hund umgehend zu sich rufen. Herrchen gibt das Signal für den Rückruf, Bello schaut kurz in seine Richtung, kommt aber nicht herbeigelaufen. Herrchen (sehr aufgeregt, weil er weiß, dass sobald der andere Hund da ist, Bello ungestüm zu diesen hinrennen wird) wird böse, gibt das Signal erneut, diesmal lauter und mit kräftiger, erboster Stimme. Bello fängt an langsam in Richtung Herrchen zu gehen, während aber auch das Herrchen zu Bello rennt, das Rückruf-Signal immer und immer wieder von sich gebend und schließlich bei Bello angekommen, wird dieser am Halsband gefasst und böse weg gezerrt. Bello empfindet dies als äußerst unangenehm und wird das zu letzt gezeigte Verhalten (auf das Rückruf-Signal hin in Richtung Herrchen gehen) in Zukunft vermutlich seltener bis gar nicht mehr zeigen, denn Herrchen hat dieses Verhalten aus versehen positiv bestraft (d.h. gehemmt).


 

Sarah Tappe

 

Sarah Tappe

mobile Hundetrainerin
Diploma of Canine Behavior Science and Technology (CASI von James O’Heare)
derzeit weitere Ausbildung zurVerhaltensberaterin
(Advanced Diploma of Canine Behavior Management am international anerkannten Compass Education Institut)

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