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Mythos: Man darf Hunde im Sommer nicht scheren

Heute möchte ich mich einem heißen (im wahrsten Sinn des Wortes 😀 ) Thema widmen: darf man Hunde im Sommer nun scheren oder nicht? Seit Jahren verfolge ich die Diskussion nun schon und das Thema ist mir ein wichtiges Anliegen. Leider hat es sich in letzter Zeit so entwickelt, dass immer mehr (angeblich) wissenschaftliche Erklärungen gegeben werden WARUM nicht geschoren werden darf . Dabei werden die Hundehalter, die sich FÜR die Sommerschur entscheiden stark verunsichert. Die Behauptung dabei ist, dass die Luft – wenn die Unterwolle entsprechend ausgebürstet wurde – durch das Deckhaar gut zirkulieren kann und dass das Haar als zusätzliche Dämmung wirkt, damit der Hund in den heißen Temperaturen nicht überhitzt.

Überprüfen wir diese Behauptung doch mal:

scherenDer Hund hat eine normale Körpertemperatur zwischen 38.0 und 39.0 Grad. Dies ist in unseren Breitengraden zu 99,9% wärmer als die Außentemperatur im Schatten. Der Hund muss im Sommer also so gut wie immer Wärme abgeben, um die Temperatur konstant zu halten. In der Sonne sollte er sich sowieso nicht allzu lange aufhalten müssen. Ausschließlich an kühleren Tagen (also nicht im Sommer) ist die Dämmwirkung des Fells notwendig um die Körpertemperatur zu regulieren.

Haar besteht aus Keratin – die Wärmeleitfähigkeit von Keratin ist extrem schlecht (im Gegensatz zum Beispiel zu diversen Metallen). Das bedeutet, dass über das Haar kaum bis gar keine (Körper-)Wärme abgegeben werden kann. Zusätzlich besagt der zweite Satz der Thermodynamik, dass Wärme nur vom wärmeren Körper zum kühleren Körper fließen kann. Die umgekehrte Variante ist physikalisch unmöglich! Fakt ist also, dass über das Haar nur sehr wenig Temperatur vom Körper nach außen abgegeben werden kann und dass die kühlere Außentemperatur durch die Haare den Körper auch nicht erreichen kann.

Das Haarkleid der meisten Hunde besteht aus Deckhaar und Unterwolle. Im Sommer ist es sinnvoll so viel Unterwolle wie möglich auszubürsten. ALLES wird man dabei aber nicht entfernen können – dementsprechend ist eine gute Luftzufuhr zur Haut in keinem Fall möglich. Eine Abkühlung durch Luftzirkulation ist also mit einem dichten Haarkleid nicht möglich.

Manchmal wird auch das Argument gebracht, dass Hunde von Natur aus über entsprechendes Fell verfügen und es deshalb nicht falsch sein kann. Leider ist das nicht ganz richtig: seit mehreren tausenden Jahren greift der Mensch züchterisch in das Erscheinungsbild von Hunden ein. Die heutige Fellstruktur hat also nichts mehr mit der „natürlichen“ Variante zu tun. Zusätzlich werden immer häufiger Hunde aus anderen Breitengraden importiert, die an die hier herrschenden Temperaturen nicht angepasst sind – das beste Beispiel dafür ist der beliebte Husky. In nordischen Ländern erfüllt das Fellkleid tatsächlich eine wichtige Schutzfunktion. Bei unseren sommerlichen 34 Grad ist das Haar jedoch eine große Last.

Zuletzt möchte ich noch auf die Behauptung eingehen, dass das Haar nach der Schur „kaputt“ ist oder nur sehr schlecht nachwächst. Einerseits gibt es für eine derartige Erkrankung keinerlei wissenschaftliche Belege. Andererseits muss man bedenken, dass Deckhaar grundsätzlich etwas langsamer wächst als die Unterwolle (biologisch ist es ja auch sinnvoll, weil die Unterwolle häufiger im Jahr ausgetauscht werden muss). Deshalb sehen Hunde zu Beginn des Nachwuchses teilweise etwas lustig aus – dadurch wird das Haar aber auf keinen Fall kaputt. Nach einiger Zeit wächst alles wieder normal nach 😄

FAZIT

Fazit, für alle, die sich die lange Erklärung sparen wollen: Einen gesunden, jungen Hund gut auszubürsten mag im Sommer vollkommen ausreichend sein, wenn man auf entsprechende Ruhezeiten während des heißen Tages achtet. Sobald der Hund jedoch ein bisschen älter oder krank wird bzw. ein sehr dickes Fell angezüchtet wurde, wird die Temperaturregulation extrem schwierig! Dabei kann man den Hund durch eine Sommerschur deutlich unterstützen! Klarerweise schert man die Haare dabei nicht bis auf die Haut ab, sondern lässt genug stehen, damit der Hund keinen Sonnenbrand bekommen kann!

 


 

Jessica Berger

Jessica Berger

- Tierschutzqualifizierte Hundetrainerin
- Akademisch geprüfte Kynologin
- Tierkommunikation & Tierenergetik

www.hundefaelle.at