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So geht Anti-Giftköder-Training - Die Kurzform

„O neee, jetzt nicht auch noch Menschenkacke...“
Glücklich grinst Fiffi sein Frauchen an und entblößt dabei seine in verdächtigen Farben strahlenden Beißerchen. Börks.

Über Anti-Giftköder-Training und die Feinheiten, die für ein erfolgreiches Training nötig sind, lassen sich ganz Bücher schreiben. Das hier ist ein Versuch, das Wichtigste in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Den ganzen Kram drumherum wie Maulkorbtraining, Futterschüsseltraining, Beschäftigung beim Spaziergang, Entspannung, tierärztlicher Check-up, usw. lass ich mal weg. Das ist alles wichtig, aber du möchtest diesen Artikel bestimmt heute noch zu Ende lesen können.

Wenn du deinen Hund davon abhalten möchtest, sich alles reinzuziehen, was er auf dem Spaziergang findet, kannst du eine Sache gleich vergessen: Strafen. Wenn du deinen Hund dafür strafst, dass er etwas Verbotenes aufnimmt, dann lernt er, dass er schneller sein muss als du, um etwas vom Boden fressen zu können. Oder er lernt, dass er das Zeug heimlich fressen muss. Beides sind keine so günstigen Strategien, um sicher zu gehen, dass dein Hund nichts mehr unkontrolliert aufnimmt.

Statt also darauf zu bestehen, dass du der Alpha bist, Anspruch auf das Futter am Boden erhebst und dein Hund deswegen nix mehr anrühren darf, solltest du besser trainieren, dass er dir zeigt, wo etwas am Boden liegt. Und du solltest üben, dass er sich abrufen lässt, wenn du siehst, dass er etwas aufnehmen möchte. Das ist wesentlich sicherer als die „Ich bin der Boss und du hast nichts zu fressen, wenn ich es dir nicht erlaube“-Strategie.

Für ein erfolgreiches Training sind drei Übungen notwendig:

1.) Basis-Übung „Stoppen vor dem Futter“
2.) Das Anzeigeverhalten „Sitz statt Happs“
3.) Das Abrufen von Futter mit dem „Nix da“-Signal

1.) Die Basis-Übung „Stoppen vor dem Futter“

Bei dieser Basis-Übung geht es darum, dass dein Hund zum Futter (nimm zu Anfang Futter, das dein Hund nur mäßig interessant findet) schaut und dabei stehenbleibt, statt es gleich hinunterzuschlingen. Das schaffst du, indem du deinen Hund mit Click und Belohnung für den Blickkontakt zum Futter bestärkst. Das heißt: Du stellst Futter auf den Boden oder lässt es auslegen. Dein Hund schaut zum Futter – „Click“ – Belohnung (die Belohnung sollte absolut hammergeil sein).
Click und Belohnung haben hier zwei Funktionen. Zum einen unterbrechen sie rechtzeitig das unerwünschte Verhalten „Futter am Boden runterschlingen“, zum zweiten verstärken sie das erwünschte Verhalten „Gucken, aber nicht schlucken“. Du gehst im Training immer näher an das Futter am Boden heran bis du unmittelbar davor stehenbleiben kannst, während dein Hund das Futter anstarrt, aber nicht frisst. Das Futter am Boden wird zum Signal für deinen Hund, stehen zu bleiben. Macht er das, bekommt er von dir eine superklasse Belohnung. Nach der Belohnung gibst du ihm ein Freigabe-Signal. Nach dem Freigabesignal (nicht vorher!!) darf er das Futter am Boden ebenfalls fressen. Das ist wichtig, denn er möchte das Futter am Boden ja haben. Würdest du ihm immer verbieten, es zu nehmen, würde er es sich trotz deiner Gutties vielleicht noch anders überlegen und es doch hinunterschlingen. Auf deinem normalen Spaziergang kannst du das, was am Boden liegt, natürlich nicht immer freigeben. In diesem Fall suchst du dir eine länger andauernde Belohnung, mit der du dich weiter vom Futter am Boden entfernst, z.B. ein Leckerchen-Suchspiel. So könnt ihr nach der Belohnung einfach weitergehen.

Voraussetzung, damit das alles funktioniert, ist, dass dein Hund den Clicker (oder ein Markerwort) so gut kennt und so klasse findet, dass er nach dem Clickgeräusch gleich stehenbleibt und auf eine Belohnung wartet. Sollte das nicht der Fall sein, musst du den Clicker oder dein Markerwort erst einmal ein paar Tage lang mit richtig tollen Belohnungen aufwerten.

Wenn das Ganze unter kontrollierten Bedingungen klappt, musst du dein Training natürlich noch generalisieren. Übe mit den verschiedensten Arten an Fressbarem. Orientiere dich dabei an dem, was dir beim Spaziergang so täglich am Weg liegt. Übe so, dass du immer mehr Abstand zu deinem Hund halten kannst, während er auf das Futter am Boden zusteuert. Übe mit ausgelegtem Futter, das du zum Beispiel durch eine Dose mit einem durchlöcherten Deckel sichern kannst. Lege das Futter an den Weg, ins Gebüsch, außer Sicht, in die Wiese, usw. Mach es immer schwieriger. Achte dabei darauf, dass du so kleine Schritte wählst, dass dein Hund gar nicht merkt, dass du dein Training immer mehr verschärfst.

Vorschauvideo dieser Übung bei Hey Fiffi:

Und hier gibt es noch eine schöne, ausführliche Beschreibung dieser Übung:
http://www.sitzplatzfuss.com/anti-giftkoedertraining/

2.) Anzeigeverhalten „Sitz statt Happs“

Wenn die Basis-Übung so gut sitzt, dass dein Hund, wenn er etwas am Boden liegen sieht, schon von alleine zögert oder im besten Fall sogar schon stoppt, kannst du noch ein Schüppchen drauflegen. Damit du auch wirklich erkennst, dass dein Hund etwas Fressbares gefunden hat, macht es Sinn, ihm beizubringen, seinen Hintern auf den Boden zu pflanzen, um dir seinen Fund anzuzeigen.

Und das geht so:
Das Prinzip ist das gleiche wie in der Basis-Übung. Du clickst im ersten Schritt für´s Hinschauen zum Futter. Statt gleich zu füttern, gibst du deinem Hund aber erst das Sitz-Signal. Setzt er sich hin, gibt´s ein megatolles Leckerli. Wiederhole das einige Male. Nähere dich dem Futter noch nicht an.

Im nächsten Schritt clickst du wieder für´s Hinschauen zum Futter. Nach dem Click belohnst du aber nicht sofort, sondern wartest darauf, dass dein Hund sich von alleine hinsetzt, ohne dass du zusätzlich noch ein Sitz-Signal geben musst. Macht er das: Party! Und danach kommt die Freigabe und dein Hund darf das Futter am Boden fressen.

Im dritten Schritt clickst du nicht sofort für den Blick zum Futter, sondern du wartest, dass dein Hund zum Futter schaut und sich danach hinsetzt. Hast du die ersten beiden Schritte ausgiebig geübt, sollte das kein Problem darstellen. Für das erste Sitz nach dem Anblick des Futters feierst du eine Megaparty, belohnst deinen Hund ausgiebig und gibst danach das Futter am Boden frei.

Kann dein Hund sich in der Entfernung zum Futter hinsetzen, gehst du näher ran. Das heißt, du bringst euch beide in Bewegung. Wenn dein Hund wieder zum Futter hinschaut, wartest du wieder, dass er sich von alleine hinsetzt. Belohne das Sitz wieder sehr großzügig, damit er versteht, dass dieses Verhalten erwünscht ist. Übe das, bis ihr beide unmittelbar vor dem Futter steht. Doch statt das Futter hinunterzuschlingen, sollte dein Hund sich freiwillig davor hinsetzen.

Und natürlich musst du auch diese Übung wieder generalisieren. Übe genau wie bei der Basis-Übung an verschiedenen Orten, mit verschiedenem Futter, zu verschiedenen Tageszeiten, in unterschiedlicher Entfernung zu deinem Hund, usw. Je sauberer du das Generalisieren aufbaust, umso leichter geht es dir von der Hand. Dann macht dein Hund keine Fehler, sondern lernt Schrittchen für Schrittchen, sich vor allem Fressbaren hinzusetzen, was er am Boden findet.

Vorschauvideo dieser Übung bei Hey Fiffi:

3.) Abrufen von Futter mit dem Signal „Nix da“

Dazu schreib ich gar nicht viel, denn dazu gibt´s ein nettes Video (diesmal nicht nur als Vorschau):

Diese drei Übungen sind schnell beigebracht und einfach umsetzbar. Der Erfolg deines Trainings hängt von deinem geschickten Timing und der durchdachten Generalisierung ab. Du solltest dir daher einen guten Plan zurechtlegen, wann du welche Übung wie variierst, so dass du sämtliche Variationen, die dir auf deinem Spaziergang begegnen könnten, mit einbeziehst.

Fang am besten gleich damit an!


 

Sonja MeiburgSonja Meiburg
ist seit vielen Jahren Hundetrainerin und war in verschiedenen Vereinen als Ausbilderin tätig. Seit 2006 gibt sie ihr Wissen in ihrer eigenen Hundeschule ( www.hundeschule-holledau.de  ) und seit kurzem auch auf der Videoplattform www.hey-fiffi.com  weiter. Seit fast 20 Jahren ist sie Clicker-Trainerin. Gelernt hat sie ihr Wissen bei vielen nationalen und internationalen Lehrern, u.a. bei Ute Blaschke-Berthold, Martin Pietralla, Kay Laurence und Mary Ray. Sie setzt den Clicker nicht nur zum Grundgehorsam und für Tricks ein, sondern auch im Hundesport und in der Verhaltenstherapie.

Sonja ist Mitglied der ersten Stunde der Hundetrainer-Gemeinschaft „Trainieren statt dominieren“ und Initiatorin der Aktion „Tausche Stachelhalsband gegen Training“, für die sie den dogs-Award erhalten hat.

Außerdem ist sie Mit-Autorin des Buchs „Leben mit Hunden – gewusst wie“. Sie ist bekannt aus der Sendung „Zeit für Tiere“ im bayrischen Rundfunk und als Beraterin hinter der Kamera der ZDF-Doku „Das geheime Leben unserer Hunde“.

Im Cadmos-Verlag ist ihr Buch „Anti-Giftköder-Training“ erschienen, das in verschiedenen Fachzeitschriften als „sehr praxisnah“ und „wertvoll“ gelobt wird.