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Leinenführigkeit

Leinenführigkeit heißt für mich, dass meine Hunde neben oder vor mir laufen ohne dass sie ständig in der Leine hängen und damit mir und sich selbst den Spaziergang zur Last werden lassen.

Es gibt viele Ansätze, wie man das erreichen kann, und wenn man Leinenführigkeit und den entsprechenden Namen dazu bei Google eingibt, findet man auch jede Menge Videos hierzu.

Um ein paar der bekannteren Namen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) zu nennen, die Leinenführigkeitstraining ohne Gewalt vermitteln, also ohne Leinenruck als da sind:
Dr. Ute Blaschke-Berthold, Clarissa von Reinhardt, Bina Lunzer, Miriam Cordt, Maria Hense, Monika Gutmann und Turid Rugass.

Warum schreibe ich jetzt auch noch etwas dazu?
Nun, es sieht immer einfach toll aus, wenn Hunde so locker neben ihren Haltern laufen, das muss doch ganz einfach sein, und der Hund müsste doch eigentlich kapieren dass er so viel mehr Freiheiten hat, als wenn er immer in der Leine hängt?

Tja er wird es nie kapieren, wenn es ihm nicht beigebracht wird! Und ihm dies beizubringen ist auch nicht immer so einfach, wie es aussieht.
Ich möchte jetzt auch sicherlich nicht eine neue Methode vorstellen, schließlich habe ich es ja auch nach den Methoden dieser Trainerinnen gelernt.
Was ich erreichen möchte, ist dass der Ein oder Andere, bei dem es noch nicht so gut funktioniert, vielleicht noch mal ein paar Hinweise bekommt, warum das so sein könnte und was er vielleicht ändern oder ergänzen kann.

Zunächst mal die Ausrüstung:
Einen ziehenden Hund an einem Halsband zu trainieren, ist schon ein Fehler. Mal ganz abgesehen von den möglichen gesundheitlichen Folgen, verspürt der Hund ständig einen Druck auf dem Hals, der ihm die Luft nimmt, er versucht also diesem Druck oder Luftmangel zu entkommen, was die Situation nur verschlimmert.
Viele Hunde ziehen schon nicht mehr so stark, wenn sie am Geschirr geführt werden und die Leine nur ein paar Zentimeter länger ist. Sogar einen großen und schweren Hund kann man am Geschirr mit einer zweiten Leine, die an einem zusätzlichen Brustring angebracht wird, wesentlich besser unter „Kontrolle“ halten als an einem Halsband.

Wann und Wo und Wie trainiere ich?
Wie jedes Training sollte man kleinschrittig mit möglichst wenig Ablenkung arbeiten.
Bei mir fängt das Training zu Hause an. Läuft der Hund locker neben mir, muss ich bestätigen und selbstverständlich auch belohnen, dass er sich richtig verhält, woher soll er es sonst wissen?
Der einfachste Weg hierzu ist ein Markersignal wie der Clicker oder ein Markerwort. Der Hund hört das Markersignal, er weiß, er macht es richtig und bekommt dafür eine Belohnung. Es ist also wichtig, dass im ersten Schritt der Hund auf einen Clicker oder ein Markerwort konditioniert wird.

Es spielen eine ganze Menge Faktoren dabei zusammen, ob ein Hund leinenführig ist oder nicht. Der für mich entscheidende Faktor ist aber, in welcher Stimmungs- oder Stresslage der Hund sich befindet.
Ist ein Hund nervös oder aufgeregt, hibbelig und deshalb nur schwer oder gar nicht ansprechbar oder sehr leicht abzulenken, wird das nie was.

Zumindest einem meiner Hunde musste ich zunächst einmal etwas „Ruhe“ beibringen, das 10-Leckerchenspiel finde ich dafür hervorragend geeignet.
Hier eine Erläuterung mit Video: 10 Leckerli Spiel
Der Hund lernt Impulskontrolle und ich kann seine Position vor oder neben mir gezielt steuern.

Dann habe ich begonnen, im Wohnzimmer Leinenführigkeit zu trainieren, und bevor jemand lacht: Im Wohnzimmer gibt es keine Ablenkung, der Hund kann sich also viel besser auf mich konzentrieren.
Nachdem wir das Training auf den Garten ausgeweitet hatten, bin ich als nächsten Schritt auf einen leeren Parkplatz gefahren, wo sonst niemand zu dieser Zeit war, und habe dort weiter gemacht.
Auf die normale „Gassipiste“ bin ich erst gegangen, als ich einigermaßen sicher war, dass es funktionieren würde.

Natürlich kommt es doch immer wieder mal vor, dass ein Hund zieht. Aber auch das hält sich in Grenzen, wenn man konsequent bleibt:
Nicht zerren, rucken oder reißen, der Hund lernt dadurch absolut nichts!

Eine einfache Möglichkeit, sich selbst unter Kontrolle zu halten:
sich angewöhnen, die Ellenbogen immer am Körper zu halten.
Da ich mit der rechten Hand Leckerchen verteile, führe ich meine drei Hunde mit einem Gesamtgewicht von mehr als 100 kg nur mit der linken Hand und ich z.B. habe es mir angewöhnt, den Daumen meiner linken Hand immer in meinen Gürtel einzuhaken.
Ein Rucken ist damit einfach nicht mehr möglich.

Zieht jetzt einer der Hunde zu sehr, egal ob nach vorne oder zur Seite, bleibe ich einfach stehen. Sobald er sich zu mir hin orientiert, markere ich und er kann sich seine Belohnung abholen.

Da ich auch mit verschiedenen Leinenlängen arbeite, habe ich zusätzlich für die Schleppleinen auch noch ein Leinenende-Signal eingeführt, damit der Hund mir nicht den Arm abreißt, wenn er 10 Meter Anlauf nehmen kann. Er verlangsamt sein Tempo und bleibt von sich aus stehen, wenn die Leine straff wird.

Ein weiteres für mich wichtiges Signal ist die Ankündigung eines Richtungswechsels.
Ist ein Hund ins Schnüffeln vertieft oder auf einer Spur unterwegs, muss er nicht unbedingt mitbekommen, dass ich die Richtung geändert habe, also unterstütze ich ihn, indem ich einfach sage: "Hundename, hier lang."


 

Meine Drei

Jürgen Kronz
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