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3 Gründe warum du mit Strafe bei Leinenaggression keinen Erfolg haben wirst.

strafeWenn es um das Thema Hundebegegnungen geht, gibt es on mass an Tipps. Es ist von Belohnung und Management bis zur Strafe alles dabei. Leinenruck, Schimpfen, Ausweichen, Ablenkungen oder Belohnung, um nur ein paar zu nennen.

Strafe wird bei unerwünschtem Verhalten immer noch sehr häufig empfohlen. Doch dazu musst du einiges wissen! Denn Strafe ist nicht gleich Strafe und bringt oft nicht den gewünschten Erfolg.

Was ist überhaupt eine Strafe?

Eine Strafe ist etwas, das Verhalten hemmt und reduziert. Es gibt zwei verschiedene Arten von Strafe.

Einmal die frustrierende Strafe (negative Strafe), bei der deinem Hund etwas Angenehmes weggenommen wird. Du nimmst deinem Hund in diesem Moment also die Möglichkeit sein aktuelles Bedürfnis zu befriedigen. Dies wiederum lässt deinen Hund frustriert werden. Diese Art der Strafe kannst du nur effektiv einsetzen, wenn du die Umwelt kontrollieren kannst. Bei Hundebegegnungen ist das kaum möglich – du hast leider keine Möglichkeit im Alltag zu kontrollieren, wann ein Hund auftaucht.

Zum anderen gibt es die ängstigende Strafe (positive Strafe), bei der deinem Hund etwas Unangenehmes hinzugefügt wird. Dies kann etwas sein, dass deinem Hund Angst macht oder ihm sogar weh tut. Diese Strafe wird bei Hundebegegnungen sehr oft noch empfohlen und auch praktiziert.

Leinenruck oder auch Leinenimpuls, Wasserspritzpistole, Kneifen, körperliches Bedrohen, Rütteldose, Wurfkette, aber auch ein scharfer Tonfall, zählen zur positiven Strafe.

Hier musst du bedenken, dass positive Strafe keinerlei Rücksicht auf die Empfindlichkeiten deines Hundes nimmt.
Deswegen möchte ich dir jetzt drei Gründe aufzeigen, warum du positive Strafe bei Hundebegegnungen nicht einsetzen solltest.

Grund 1

Du hemmst lediglich das Verhalten deines Hundes!

Strafe hat das Ziel, Verhalten weniger werden zu lassen, es zu hemmen. Das Grundproblem, warum dein Hund dieses Verhalten zeigt, wird damit jedoch nicht gelöst, sondern nur gedeckelt.

Wird ein Verhalten gehemmt, schwimmen unter der Oberfläche weiterhin die Gefühle, die dieses Verhalten auslösen lassen. Jedes Mal, wenn die Situation aufkommt, in der dein Hund das unerwünschte Verhalten zeigt und du ihn bestrafst, brodeln die Gefühle weiter. Dadurch, dass diese Gefühle unterdrückt werden und sogar durch die Strafe mit noch negativeren beladen werden, spannt sich dein Hund immer mehr an. Irgendwann entlädt sich diese Anspannung komplett, es ist wie eine tickende Zeitbombe.

Du kannst es dir wie einen Topf mit kochendem Wasser vorstellen.
Das kochende Wasser im Topf sind die Emotionen deines Hundes, die heraus wollen.
Der Deckel ist die Strafe, die du deinem Hund zufügst.
Wenn der Deckel auf dem Topf ist und darunter das Wasser kocht, kann es leicht passieren, dass der Deckel nach oben gedrückt wird.

Bedenke auch, dass dein Hund kein neues Verhalten lernt. Er lernt nicht wie er stattdessen mit der Situation umgehen soll. Er lernt lediglich, dass die Situation für ihn unangenehm ist.

Grund 2

Die Anspannung deines Hundes vergrößert sich!

Strafe erzeugt Druck. Vor allem innerlichen Druck. Dein Hund wird angespannter sein und dadurch vergrößert sich sein Stress. Und genau das kannst du absolut nicht gebrauchen, wenn du deinem Hund beibringen möchtest, entspannt an anderen Hunden vorbei zulaufen.

Bei Stress und Anspannung wird der Lernprozess verlangsamt. Das bewusste Denken wird weniger und dein Hund wird nicht mehr so gut auf Signale von dir reagieren können.
Dazu kann ich dir ein gutes Beispiel geben. Zahnarztbesuche sind für mich nicht unbedingt das Schönste 😉
Sitze ich also auf dem Behandlungsstuhl, bin ich innerlich so angespannt und nervös, sodass mein bewusstes Denken blockiert wird. Eine einfache Matheaufgabe wird dann schon zur großen Hürde.

Was du also brauchst ist Entspannung und einen klar denkenden Hund 🙂

Grund 3

Der Beziehungskiller Nummer 1!

Du möchtest für einen Hund bestimmt ein verlässlicher Freund und Partner sein, auf den sich dein Hund verlassen kann, oder?
Bestrafst du jedoch deinen Hund, wird das nicht mehr der Fall sein. Du bist nämlich der Ort, an dem die Strafe passiert. Von dir kommt der Leinenruck, von dir kommt die barsche Stimme, von dir kommt der körperliche Druck.

Dein Hund ist eh schon gestresst und nun bringst du zusätzlichen Stress in die Situation. Das wird auf Dauer eurer Beziehung sicherlich schaden. Oder würdest du gerne mit einem Menschen deine Zeit verbringen, der dir, wenn du aufgeregt oder ängstlich bist, eine Ohrfeige verpasst?

Strafe mag für manche Hunde funktionieren. Doch zu welchem Preis? Geht es deinem Hund dann wirklich gut? Oder unterdrückt er nur seine Gefühle?


 

Sabrina Neubauer ReichelSabrina Neubauer-Reichel
Hundetrainer und Verhaltensberater bei CumCane® (Dr. Ute Blaschke-Berthold)
Sachkundenachweis (D.O.Q.-Test Pro, Zertifizierung durch die Tierärztekammer Niedersachsen)
Mentaltrainerin (SGD), RocknDog Dogdance Trainerin, JAD-Dogs Trainerin, Dancing Circle Dogs Trainerin, Buchautorin

http://vitacanis.net