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Hunde aus dem Auslandstierschutz Teil III

Wenn der Alltag Angst macht

Trotz ihrer schwierigen Vorgeschichte lebt die Mehrzahl der Hunde aus dem Auslandstierschutz sich erstaunlich schnell in ihrem neuen Zuhause ein, fasst Vertrauen zu ihrem Menschen und tollt munter mit Hundekumpels herum.
Dennoch bleibt bei vielen von ihnen die eine oder andere Angst hartnäckig bestehen, seien es fremde Männer, große Fahrzeuge, laute Geräusche oder ein Gang in die Stadt ...
„Da gewöhnt der sich schon noch dran!“ denkt, oder besser: hofft man dann vielleicht, aber Tatsache ist leider, dass man sich an Angst nicht gewöhnen kann. Sie wird nicht weniger, je öfter man sie hat. Im Gegenteil: Irgendwann beginnt man, obendrein auch noch die Angst selbst zu fürchten.

unsicherheit4Die sogenannte Konfrontationstherapie, bei der Menschen gezielt demjenigen Reiz ausgesetzt werden, der die stärksten Ängste auslöst, lässt sich nicht auf Hunde übertragen: Menschen entscheiden sich für diese Therapieform, sie werden ihr nicht einfach ausgesetzt. Sie werden von einem hierfür ausgebildeten Therapeuten umfänglich informiert und gründlich vorbereitet. Und sie sind in der Lage, das Erlebte zu reflektieren – sich im Nachhinein zu sagen „Ach guck, mir ist gar nichts Schlimmes passiert“. Für unsere Hunde gilt nichts davon. Sie wissen nur, dass wir sie wieder einmal in eine Situation gebracht haben, in der sie furchtbare Angst hatten.
Nicht nur, dass wir ihnen auf diese Weise nicht helfen – wir verspielen auch ihr Vertrauen.

Dennoch kann das sogenannte Flooding (Reizüberflutung) zu einem scheinbaren „Trainingserfolg“ führen: Wenn ein Hund einer für ihn unerträglichen Situation wieder und wieder ausgesetzt ist und die Erfahrung macht, dass keine seiner Reaktionen ihn hieraus rettet, wird er über kurz oder lang resignieren und gar nicht mehr reagieren. Das Ergebnis ist ein „ganz ruhiger Hund“ – allerdings um den Preis, dass ein waches, aufmerksames Lebewesen sich ganz und gar in sich selbst zurückzieht.
„Meinem hat das auch nicht geschadet!“ werden Sie vermutlich ein ums andere Mal zu hören bekommen, wenn Sie ihren Hund vor solchen „Therapieversuchen“ bewahren wollen. Klingt irgendwie vertraut, oder? „Mir haben die paar Ohrfeigen auch nicht geschadet!“ - dennoch schlagen wir unsere Kinder heute nicht mehr.

Natürlich kann eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Menschen einem Hund durch schwierige Situationen helfen, bei ausgeprägten Ängsten jedoch reicht Vertrauen allein nicht aus.
Ich zum Beispiel leide unter Höhenangst. Und ich vertraue meinem Lebensgefährten. Wenn ich nun merke, dass ich an einer ausgesetzten Stelle im Gelände weiche Knie bekomme, nutzt mir dieses Vertrauen allerdings überhaupt nichts. Es hilft mir kein bißchen, wenn er dann ganz ruhig bleibt!
Eine Hand, die mich zu einer Stelle zurückführt, an der die Aussicht nicht ganz so gruselig ist, die hilft mir! Es mag zunächst paradox klingen, aber ich kann mich beängstigenden Situationen viel mutiger stellen, wenn ich mich fest darauf verlassen darf, dass jemand da ist, der mich im Zweifel aus ihnen hinausholt.

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Hund unter ausgeprägten Ängsten leidet, meiden Sie zunächst bitte – sofern irgend möglich – die Auslöser und ziehen sie eine/n TrainerIn mit entsprechender Ausbildung / Erfahrung hinzu.
In diesem Zusammenhang ist immer wieder von Geduld und Liebe die Rede und ja! – die werden Sie brauchen! Aber nirgendwo steht, dass man es mit Geduld und Liebe allein schaffen muss. Lassen Sie sich ruhig helfen.
Es gibt eine breite Palette von Trainingsmöglichkeiten und Hilfsmitteln, die Sie zu Ihrer Unterstützung nutzen können – Ihr/e TrainerIn wird Sie darin unterstützen, diese genau so auszuwählen und einzusetzen, wie es zu Ihnen und Ihrem Hund passt.

Weiter zu Teil IV "Am Anfang lief alles prima!"


 

Iris Blitz

Iris  Blitz
Hundetrainerin
Lebt heute mit Australian Shepherd Oskar und drei arbeitenden Pyrenäenberghunden auf einem Kastanienhof in Südfrankreich.
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