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Mehrhundehaltung - persönliche Erfahrungen

Mehrhundehaltung1Im Dezember 2008 reihte ich mich in die Riege der Mehrhundehalter ein. Zu meiner damals vier Jahre alten Dalmatinermischlingshündin Emma holte ich Maya, einen angeblichen Labradormischlingswelpen aus dem Tierschutz, ungefähr 8 Wochen alt, dazu. Der Labradormischlingswelpe stellte sich innerhalb kürzester Zeit als Terriermischling heraus, was das Leben mit zwei Hunden noch spannender machen sollte, als ich es mir ohnehin schon vorgestellt hatte.

Emma war zum Zeitpunkt von Mayas Einzug vier Jahre alt und wir hatten an ihrem problematischen Verhalten gegenüber fremden Menschen, das sich in Stellen und Verbellen äußerte, soweit erfolgreich trainiert, dass sie inzwischen überall wo es gefahrlos möglich war frei laufen konnte. Es gab also keine größeren “Baustellen” mehr. Mit anderen Hunden hatte Emma im Alltag keine Probleme, sofern der andere Hund nicht zu stürmisch war, sie überrannte oder stark belästigte. In diesen Fällen bekam Emma verständlicherweise Angst und suchte bei mir Schutz. Bei einem Welpen würde es diese Problematik nicht geben. Mir war klar, dass ich in Hinsicht auf Futter vorsichtig würde sein müssen, da Emma die Tendenz hat, Essbares gegenüber anderen Hunden zu verteidigen. Draußen bei den Spaziergängen hatte sie damit keine Probleme, sie konnte es zu diesem Zeitpunkt sogar gut aushalten, wenn ein anderer Hund die Nase in meine Futtertasche steckte. Aber ich wusste, dass das innerhalb der Wohnung und vor allem bei hochwertigeren Dingen, wie z.B. Knochen oder Fleisch, nicht unbedingt auch so entspannt ablaufen würde.

Mehrhundehaltung2Kurz und gut: Ich hatte mir alles einfacher vorgestellt, als es dann tatsächlich war. Trotz all der Überlegungen, die ich vorher angestellt und der Vorbereitungen, die ich getroffen hatte. Maya war ein ausgesprochen lebhafter Welpe, mit einer quasi nicht vorhandenen Frustrationstoleranz, was gewaltig an meinen und auch Emmas Nerven zerrte. Emma kam mit Maya grundsätzlich gut zurecht, aber man merkte ihr deutlich an, dass sie dieses “kleine nervige Etwas” nicht unbedingt in ihrem Zuhause haben wollte. Sie zog sich zurück, wollte den Welpen nicht in ihrer Nähe haben und suchte auch immer weniger Kontakt zu mir. Für mich war ihre Reaktion furchtbar, ich machte mir Vorwürfe, weil ich Emma einfach dazu „zwang“ mit einem anderen Hund zusammenleben zu müssen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Emma so reagieren würde, schließlich hatte sie draußen ja gerne Kontakt zu Hunden und auch Hundebesuch war kein Problem gewesen. Ungefähr zwei Wochen nach Mayas Einzug kam es dann zu einem Zwischenfall, der mich wirklich sehr erschreckte: Ich war immer vorsichtig gewesen, wenn ich das Hundefutter zurecht gemacht und dann den Hunden hingestellt hatte. Aber an diesem Abend war ich noch völlig verzückt, weil Emma und Maya gerade die ersten vorsichtigen gemeinsamen Spielversuche gemacht hatten. Ich stellte also Mayas Napf hin und ging zu Emmas Futterplatz, um ihren Napf auch abzustellen. Emma wartete bereits dort und ich dachte, Maya wäre mit ihrem Napf beschäftigt. War sie aber nicht. Sie war mir nachgelaufen und so schnell konnte ich gar nicht schauen, attackierte Emma den Welpen heftig und zog sich sofort wieder zurück. Maya und ich waren zu Tode erschrocken, Maya schrie wie am Spieß und ich löste die Situation erst einmal auf, indem ich Emma fressen ließ und mit Maya die Küche verließ. Ich inspizierte sie im Wohnzimmer und leider hatte Emma sie tatsächlich verletzt: Mayas Ohr hatte ein blutendes Loch. Nach diesem Erlebnis musste ich mich erst einmal wieder sammeln, Maya dagegen hatte das Erlebnis kaum beeindruckt, sie verhielt sich Emma gegenüber genauso wie zuvor – und auch Emma benahm sich wieder wie vor dem Vorfall.

Mehrhundehaltung3Nach diesem Ereignis war ich zunächst sehr verunsichert, schließlich war ich Hundetrainerin. Warum war ich nicht in der Lage gewesen, die Situation besser einzuschätzen und die Attacke zu verhindern? Die Antwort war nach kurzer Überlegung sehr einfach: In Bezug auf meine eigenen Hunde bin ich emotional viel stärker beeinflusst, als ich dies bei den Hunden von Kunden bin. Bei Kunden bin ich objektiver Beobachter, zu Hause bin ich Teil des Geschehens. Meine Freude über diese ersten zaghaften Spielversuche hatte mich unachtsam werden lassen, ich hatte eine rosarote Brille auf. Aber ein Hund kann sich nun einmal nur verhalten wie ein Hund und Aggressionsverhalten ist eine Strategie, um Konflikte zu lösen. Und auch der eigene geliebte Hund, der eigentlich immer freundlich ist, kann in bestimmten Situationen Aggressionsverhalten zeigen. Das Nachdenken, wie es zu dieser Situation kommen konnte, hat mir sehr geholfen. Es ist ein Unterschied, ob man mit den eigenen Hunden zusammenlebt oder Kunden mit deren Hunden unterstützt. Hundetrainer sind privat auch nur Menschen und Menschen machen Fehler. Nach dieser Erkenntnis konnte ich - nun ohne rosarote Brille - das Training mit Maya und Emma weiterführen.

Die Hunde mussten also lernen, friedlich zusammen zu leben und Konflikte ohne den Einsatz von Zähnen zu lösen. Ich unterstützte also jedes Knurren und Zähnezeigen von Emma und brachte Maya gleichzeitig bei, darauf auch angemessen, also mit deeskalierendem Verhalten, zu reagieren. Emma lernte so, dass es völlig ausreichend war zu knurren, um den kleinen Hund auf Distanz zu halten und dass es gar nicht notwendig ist zu gravierenderen Maßnahmen zu greifen. Maya lernte sich zu benehmen. ;) Ich belohnte Emma für jede Annäherung Mayas, die sie tolerierte und investierte viel Zeit darin, beide Hunde gleichzeitig – eine rechts, eine links – aktiv zu entspannen und Entspannungssignale aufzubauen. Dieses Training zeigte extrem schnell Wirkung, es gab bis zum heutigen Tag nie wieder eine Auseinandersetzung zwischen den Hunden. Emma knurrte immer weniger oft, wenn Maya sich ihr näherte. Etwa vier Wochen nach Mayas Einzug konnte ich Spielzeug in der Wohnung herumliegen lassen ohne aufpassen zu müssen. Weitere sechs Wochen später klappte das sogar schon mit weniger hochwertigen Kauartikeln wie z.B. Büffelhautknochen. Ich hörte nie auf, beide Hunde für freundliches, deeskalierendes Verhalten zu belohnen und nach ca. einem halben, dreiviertel Jahr konnte ich feststellen, dass die beiden Hündinnen tatsächlich zusammenwuchsen und eine Bindung zueinander aufbauten.

Heute ist unser gemeinsames Zusammenleben absolut harmonisch. Die Hunde sind mittlerweile die besten Freunde und wenn sie aus irgendwelchen Gründen einmal getrennt waren, ist die Begrüßung beim Zusammentreffen immer lang, intensiv und voller Freude. Die beiden liegen oft zusammen und können dabei einträchtig nebeneinander ihre Schweineohren verputzen. Der Weg hierhin war anstrengend, nervenaufreibend und oft genug frustrierend. Es erforderte viel Aufmerksamkeit und Training, um den Hunden das entspannte miteinander Leben beizubringen. Missen möchte ich diese Erfahrung nicht. Ich habe viel gelernt und bin froh, dass ich das Wagnis „Zweithund“ eingegangen bin.

Bei diesem Artikel handelt es sich um eine gekürzte Version des Originalartikels.
Den Originalartikel finden Sie unter folgendem Link:
Mehrhundehaltung - persönliche Erfahrungen Teil 1
4 weiterführende Artikel zum Thema Mehrhundehaltung finden Sie unter folgenden Links:
Überlegungen vor der Anschaffung eines weiteren Hundes
Welcher Hund passt zu uns?
Tipps für einen gelungenen Start
Hausregeln im Mehrhundehaushalt


 

Maria Rehberger

Maria Rehberger
Geprüfte CumCane-Hundetrainerin, Verhaltensberaterin
Schwerpunkte: Einzeltraining, Verhaltenstherapie, Mantrailing
Mitautorin von "Mantrailing – Nasenarbeit für Familienhunde", Verlag MenschHund!
www.easy-dogs.net