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14 typische Fragen von Hundebesitzern und die unterschiedlichen Antworten

je nach dem, wen man fragt đŸ˜

Ausgeburt DominanzImmer wieder werde ich von Kunden gefragt, ob ein Hund eigentlich dieses oder jenes darf. Die Fragen sind meist von der Sorge getrieben, sich ansonsten womöglich einen Hund heranzuziehen, der unbedingt der Chef sein möchte. Eindeutig der Alptraum eines jeden Hundebesitzers! Denn ist der Hund erstmal Chef, hat man verloren.

Zumindest ist es das, was uns viele „Hundeexperten“ im wahren Leben, aber vor allem auch im Fernsehen einblĂ€uen: Die BegrĂŒndung aller Verhaltensweisen in der naturgegebenen, gemeingefĂ€hrlichen, systemumstĂŒrzenden und daher mit aller Vehemenz zu unterbindenden Dominanz des Hundes.

Frohe Kunde, es darf aufgeatmet werden: Die Wissenschaft ist uns wieder einmal um Universen voraus und hat lĂ€ngst bewiesen, dass die Dominanztheorie, so wie sie noch in vielen Köpfen herumschwirrt, lange ĂŒberholt und in dieser Form gar nicht existent ist.

Hurra! Hunde möchten also definitiv kein Chef sein, sie streben nicht nach der Weltherrschaft. Hunde handeln - man höre und staune - nach ihren BedĂŒrfnissen, die sie befriedigen möchten: Selbsterhalt, Sicherheit, Sozialkontakt, Fortpflanzung. Und diese bahnbrechende Erkenntnis hat enormen Einfluss auf die Art, wie man typisches Hundeverhalten heute betrachten und vor allem, wie man damit umgehen sollte.

Die Antworten, die moderne Trainer heute auf die klassischen Fragen besorgter Hundebesitzer liefern, unterscheiden sich nicht ganz unwesentlich von der einen, der einzigen Antwort, mit der die Traditionalisten aufwarten, die aber dafĂŒr naturbedingt so schön einfach zu merken ist 😏

- Frage
- traditionelle Antwort
- moderne Antwort

1. Muss der Hund als letzter durch die TĂŒr?

Ja. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Ein Hund drĂ€ngelt sich natĂŒrlich gerne als erster nach draußen, denn dort ist es spannend und aufregend, da warten die Abenteuer.

Wohnt der Hundebesitzer in einem Mehrparteienhaus, an einer befahrenen oder kinderreichen Straße, macht es gewiss Sinn, dem Hund beizubringen zu warten oder ihn nur angeleint vor die TĂŒr zu lassen. Ansonsten könnte man dem Hund auch großzĂŒgig erlauben, vor einem rauslaufen zu dĂŒrfen. Als der wahre Chef darf man auch mal großzĂŒgig sein 😉

2. Muss der Hund als letzter essen?

Ja. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Aber ein satter, zufriedener Hund wird leichter Ruhe geben, wenn die Menschen zu Tisch sitzen, als einer, der mĂ€chtig Kohldampf schiebt. Es erscheint also logisch, den Hund vorher zu fĂŒttern. Sollte der danach denken, dass er die Hosen anhat, weil er als erster gegessen hat – na, dann lassen wir ihn doch einfach in dem Glauben ;)

3. Muss der Hund immer links gehen?

Ja. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Hunde wurden frĂŒher links gefĂŒhrt, weil mit rechts geschossen wurde. Sollte der Hundebesitzer wĂ€hrend seiner GassigĂ€nge also mit rechts schießen, sollte der Hund in der Tat links laufen. Ansonsten ist dem Hund die Seite relativ wurscht, auf der er geht, Hauptsache, es riecht gut und ist interessant genug. Also macht es womöglich sogar mehr Sinn, den Hund entscheiden zu lassen, wo er gehen mag, ihm aber beizubringen, auf Signal die Seite zu wechseln, so dass der Mensch fĂŒr bestimmte Situationen gewappnet ist.

4. Muss der Hund hinten gehen?

Ja. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Möchte der nĂ€mlich anderen Hundebesitzern stolz signalisieren, wie sehr er der Chef und RudelfĂŒhrer ist, sollte der Hund natĂŒrlich hinten gehen.

In allen anderen FĂ€llen könnte man auch den Hund entscheiden lassen, wo er gehen mag – in der Regel da, wo es fĂŒr ihn spannend ist. Sinn macht es auch, den Hund dort gehen zu lassen, wo man ihn noch im Auge hat, damit man sehen kann, ob er sich gerade ekelige Sachen genehmigen möchte oder sonstige Dummheiten ausheckt. Hinten ist also die denkbar ungĂŒnstigste Position.

5. Muss ich den Hund bei der BegrĂŒĂŸung ignorieren?

Ja. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Wenn der nÀmlich seinen Hund auf Dauer deprimieren möchte, sollte er den Hund ignorieren.

FĂŒr alle anderen gilt: SelbstverstĂ€ndlich begrĂŒĂŸen wir den Hund, denn nicht nur der freut sich, seinen Menschen zu sehen, sondern wir freuen uns, unseren Hund zu sehen, alle schĂŒtten tonnenweise das Liebeshormon Oxcytocin aus und sind glĂŒcklich.

6. Darf der Hund auf dem Sofa liegen?

Auf keinen Fall. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Ein Hund liegt, genau wie der Mensch, gerne bequem. In der warmen Jahreszeit vielleicht eher da, wo es kĂŒhl ist, in der kalten Jahreszeit auf dem kuscheligen Sofa oder im Bett. Dem Hund ist es dabei schnurzpiepe, ob das Sofa hoch ist oder ebenerdig. Er liegt halt einfach gerne weich und bequem und vor allem liegt er hĂ€ufig gerne in der NĂ€he seines Menschen und genießt den Körperkontakt.

Findet der Mensch das Sofaliegen aus irgendwelchen GrĂŒnden unangebracht, bringt er dem Hund bei, woanders zu liegen, und zwar immer und nicht nur jeden dritten Tag, weil der Hund das nicht verstehen wird. Vielleicht legt er sich dann sogar ab und an zu seinem Hund, damit beide ihr BedĂŒrfnis nach Körperkontakt befriedigen können.

FĂŒr alle anderen gilt: Frohes Kampfkuscheln auf dem Sofa!

7. Darf der Hund am Tisch gefĂŒttert werden?

Auf keinen Fall. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Wenn es ihn nicht stört, dass der Hund dann lernt, sabbernd und hypnotisierend neben ihm am Tisch zu sitzen, zu seufzen, zu jammern und ggf. auch mit Körperteilen seinen Anteil einzufordern, dann darf er das.

Stört den Menschen die nervtötende Bettelei, dann bringt er dem Hund bei, wÀhrend es Essens irgendwo zu liegen und Ruhe zu geben.

8. Muss der Hund bei Fuß gehen?

Ja. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Er sollte nur wissen, dass es alles andere als artgerecht fĂŒr einen Hund ist, lange Zeit bei Fuß zu gehen. Ein Hund sollte kurzzeitig bei Fuß oder einfach an lockerer Leine gehen können, damit der Mensch in schwierigen Situationen den Hund kontrolliert bei sich halten kann. Stundenlanges Bei-Fuß-Gehen ist fĂŒr den Hund megaanstrengend, völlig hundeuntypisch, komplett sinnentleert und frustrierend, da seine BedĂŒrfnisse nicht im Mindesten befriedigt werden.

9. Muss der Hund mich beim Laufen anschauen?

Ja. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Als sportliche AktivitĂ€t mag das in Ordnung sein und kann auch dem Hund Spaß machen, wenn er gelernt hat, dass sich die Guckerei fĂŒr ihn lohnt.

In allen anderen FĂ€llen gilt: Nein! Ein Hund muss seine Umwelt wahrnehmen dĂŒrfen. Zum einen, damit auch er Freude auf seinen GassigĂ€ngen hat und in seine Welt abtauchen kann und vor allem auch, damit er sehen kann, wo sich Freunde oder Feinde aufhalten und er sich nicht erschrecken muss.

Die sogenannte „Bindung“ zwischen Mensch und Hund hat mit erzwungenem Anschauen nicht im Entferntesten irgendetwas zu tun!

10. Darf der Hund ein Spiel gewinnen?

Auf keinen Fall. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Wenn der nĂ€mlich seinem Hund die Spielfreude austreiben und ihn frustrieren möchte, dann sollte er den Hund ruhig immer „verlieren“ lassen.

Ob Hunde ein Spiel ĂŒberhaupt so interpretieren wie Menschen, indem sie in Gewinner- und Verliererkategorien denken, ist mehr als fraglich. FĂŒr den Hund scheint vielmehr ausschlaggebend zu sein, ob er mit seinem Menschen beim gemeinsamen Spiel auch Spaß haben kann. Ob sie zusammen toben und ausgelassen und ihrer Freude freien Lauf lassen können. Und wenn dazu gehört, dem Hund am Ende das Spieli zu ĂŒberlassen – warum sollte man das nicht tun? SpĂ€testens kurz nach Beendigung des Spiels wird der Hund das Interesse am Spieli verlieren.

Eine Ressource bleibt nur so lange spannend, wie sie selten und besonders ist. Steht sie zur freien VerfĂŒgung, wird sie ihre AttraktivitĂ€t ein stĂŒckweit verlieren.

11. Darf der Hund mich zum Spielen auffordern?

Auf keinen Fall. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Aber eigentlich: Na klar, warum denn nicht? Es bleibt dem Menschen ĂŒberlassen, darauf einzugehen oder nicht. Hat er Lust auf ein Spiel, dann spielt er mit dem Hund. Möchte er lieber die Nachrichten schauen und ein Bier trinken, dann spielt er eben nicht. Der Hund wird lernen, damit umzugehen.

12. Darf der Hund Spielis zur freien VerfĂŒgung haben?

Auf keinen Fall. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Aber so wie ein Kind Spielzeuge zu seiner VerfĂŒgung hat, sollte ein Hund ebenfalls seine Spielzeuge zur freien VerfĂŒgung haben. Das ist allein deshalb schon sinnvoll, damit der Hund lernt, nur sein Zeug kaputt zu beißen, statt die Schuhe seines Menschen oder das teure Ledersofa. Oder was soll der Hund machen, wenn er nicht gerade schlĂ€ft, frisst oder sich abschleckt?

13. Darf mich der Hund zum Streicheln auffordern?

Auf keinen Fall. Sonst fĂŒhlt er sich als Chef. Ihm muss gezeigt werden, dass er auf der untersten Stufe der Hierarchie steht.

Das entscheidet der Hundebesitzer.
Aber eigentlich: Na klar, warum denn nicht? Zum einen kann der Mensch entscheiden, ob er gerade Zeit und Lust dazu hat darauf einzugehen, und zum zweiten kann er sich freuen, dass sein Hund ihm so viel Vertrauen entgegenbringt, dass er freiwillig zu ihm kommt, um gestreichelt zu werden.

Das BedĂŒrfnis nach Körper- und Sozialkontakten ist fĂŒr soziale Wesen ĂŒberlebenswichtig. Werden diese BedĂŒrfnisse nicht befriedigt, wird das Individuum krank oder verhaltensauffĂ€llig oder beides. Andersherum sollte der Mensch auch so viel VerstĂ€ndnis aufbringen zu akzeptieren, wenn der Hund nicht gestreichelt werden möchte.

14. Spornen Quietschis die Tötungslust an?

Ja. Quietschis machen Hunde aggressiv, gefĂ€hrlich und natĂŒrlich dominant.

Gegenfrage: Ist ein Hund zu blöd zu unterscheiden, ob er ein nach Kunststoff riechendes Stofftier im Maul hÀlt oder eine gut riechende, zappelnde Maus? Wir sollten den Intellekt unserer Hunde nicht unterschÀtzen.

Ansonsten kann man festhalten, dass die verschiedenen Sequenzen aus dem Jagdverhalten unterschiedlich stark genetisch verankert sind. Es gibt klassische JÀger, die auch töten (wie z. B. Windhunde) und es gibt andere Rassen, die sind darauf spezialisiert worden, z. B. zu suchen, zu hetzen oder zu apportieren, aber nicht, die Beute zu töten.

Viele Hunde, die mit Lust und Freude ein Stofftier „totschĂŒtteln“, wĂŒrden eine echte Maus nicht mal mit spitzen ZĂ€hnen anfassen.

Ein Quietschspielzeug wird nichts erzeugen, was nicht sowieso im Hund genetisch veranlagt ist. Und diese Anlage wird ausbrechen – spĂ€testens in der Jugendentwicklung, versprochen! 😊


 

Carolin Hoffmann

Carolin Hoffmann
Hundetrainerin mit eigener Hundeschule "nicht nur hund - hundeschule willi wollmatingen"
Basisfachausbildung bei cumcane familiariÂź, gibt regelmĂ€ĂŸig Seminare und VortrĂ€ge in Deutschland und der Schweiz
Seit 2010 thematisiert Carolin Hoffmann die verschiedenen Philosophien, die in der Welt des Hundetrainings vorherrschen, in ihrem erfolgreichen Satire-Blog
„Willi Wollmatingen – Aus dem Leben eines knallharten KillerrĂŒden".
Seit 2016 ist sie Hey-Fiffi-Trainerin bei der von Sonja Meiburg ins Leben gerufenen Trainingsvideoplattform www.hey-fiffi.com und dreht Trainingsvideos mit dem Hey-Fiffi-Team.

www.nicht-nur-hund